Krypta Santa Maria degli Angeli und Freskenmuseum

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Die historischen und kulturellen Wurzeln von Santa Maria degli Angeli reichen sehr viel weiter zurück, nämlich ins hohe Mittelalter, mit Sicherheit vor das Ende des 12. Jhs. (die Zeit, in die die Wandmalereien gehören), in die Zeit, als der Raum in den Fels gehauen wurde, wahrscheinlich in der Zeit um das Ende des Jahres 1000.
Der Grundriss (max. Länge 9,25 m; max. Breite 7 m; max. Höhe 2,20 m) entspricht – unter Anpassungen an die Schwierigkeiten bei der Anlage im Fels und darauf resultierenden Veränderungen während des Baus – dem am weitesten verbreiteten mittelbyzantinischen Modell: ein in ein Quadrat einbeschriebenes griechisches Kreuz mit vier Pfeilern und drei nach Osten gehenden Apsiden.
Vor der Hauptapsis ist der originale Altarstein vollständig erhalten, den man heute nur in der Krypta selbst unterhalb der Hauptkirche an der Seite zur Via Don Minzoni sehen kann.
Durch die insgesamt neun Bögen wurde bereits im Grundriss die Unterteilung in Naos (den Teil des Gebäudes, der den Laien vorbehalten war und der den Schiffen in der westlichen Kirchenarchitektur enspricht) und Bema (das dem Presbyterium entspricht, wo der Klerus die Messe abhielt) angezeigt.
In der Kirche Santa Maria degli Angeli war das Bema vom Naos durch ein Templon getrennt, eine Querwand mit drei Durchgängen, durch die der Klerus sich vom Presbyterium wieder zurück zu den Laien begeben konnte, wie dies der Ablauf der byzantinischen Messe vorsieht.
Es handelt sich um ein so genanntes Triforium mit Gewölbe, das fälschlich auch als Ikonostase bezeichnet worden und fast vollständig verloren gegangen ist, von dem aber Spuren auf dem Boden und oben längs der Seitenwände verbleiben. Die Krypta wurde zunächst mit einer gewissen Ungenauigkeit in den Fels gegraben, sodass es etwa nicht gelang, Naos und Bema auf einer Achse anzulegen, denn letzteres erscheint deutlich nach Norden verschoben.
Präziser war dagegen die Anlage der Nischen auf der Ostseite und vor allem der Steinbank, die längs der Nord- und Südwand verläuft und den Teilnehmern während der Riten die Möglichkeit gab, sich zu setzen.
Der einzige Zugang befand sich an der Nordwestecke und war auch mit einigen ebenfalls in den Fels gehauenen Stufen ausgestattet, die man unterhalb der Piazza Episcopo noch sehen kann.
Skulpturenschmuck fehlte völlig, wie dies bei den meisten Krypten in Apulien der Fall ist, mit nur wenigen Ausnahmen (wie z.B. San Salvatore in Giurdignano).
Molajoli wies jedoch 1934 ebenso wie Alba Medea 1939 und Venditti 1967 auf zwei Steine hin, die zur ursprünglichen Ausstattung gehörten und in den Ausgrabungen der 1930er Jahre gefunden worden waren, heute aber verloren sind: ein Pfeilerchen und ein kleines Korbkapitell aus Stein. Die Zentralarchitektur stellt im Salento keine Neuigkeit dar, denn sie tritt auch an vielen anderen Orten auf, sowohl unter freiem Himmel als auch im Fels.
Zur ersten dieser beiden Kategorien gehört sicherlich die bekannte Kreuzkuppelkirche San Pietro in Otranto, die einzige überirdische Kirche in Apulien, die einen derartigen Aufbau zeigt, wie dies auch bei zwei weiteren berühmten Beispielen in Kalabrien der Fall ist: der Cattolica von Silo und San Marco in Rossano.
Unter den Felskirchen ist der nächste Vergleich die Krypta von Giurdignano, von der Santa Maria degli Angeli direkt abgeleitet sein könnte.
In jedem Fall ist die starke Ähnlichkeit offensichtlich, durch die die genannten Gebäude direkt oder indirekt mit dem byzantinischen Osten in Verbindung stehen. Neu entdeckt wurde sie 1929 nach der zufälligen Wiederauffindung der Krypta Santa Maria degli Angeli.
Wiederhergestellt und zu neuem Leben erweckt wurde sie im Freskenmuseum, wo die wertvollen Wandmalereien ihren Platz gefunden haben.
Ihren Abschluss fand diese Geschichte 1975 mit der Einweihung der neuen Ausstellung in der heutigen Piazza Episcopo im Beisein des damaligen Ministerpräsidenten Aldo Moro.